Wandernder Stempelkasten Station 3

Harburg, Wernigerode (16. August – 15. Oktober 2019)

Die Harburg bei Wernigerode

Das Schloss des Grafen von Wernigerode stand früher südwestlich der heutigen Stelle, da, wo heute noch die Gräben der Harburg zu erkennen sind.
Als der Hausstand des Grafen sich vergrößerte, fehlte es an Platz für einen Erweiterungsbau. Gern hätte er auf dem heutigen Burgberge ein neues Schloss errichtet, aber dafür reichten die Barmittel nicht. Als er sich nicht zu helfen wusste, gab ihm die Gräfin den Rat, seinen Wunsch dem Hausgeist vorzutragen.

Blick zur Harburg bei Wernigerode - Foto Wikipedia Hejkal

Um Mitternacht kniete der Graf in der Burgkapelle und flehte zu Gott um seinen Schutz. Danach ging er auf den Dachboden, wo der Hausgeist seine Wohnung hatte und bat ihn laut um Hilfe. Kaum hatte er seine Bitte ausgesprochen, da zog ein wundersames Klingen durch den Raum. Beruhigt ging der Graf zum Schlafen hinunter. Als er am anderen Morgen den Fensterladen öffnete, rieb er sich verwundert die Augen. Die Umgebung schien verändert.

Die Häuser der Stadt Wernigerode sah er tief unter sich am Fuße des Berges. Der Hausgeist hatte sich in der Nacht gegen die Grundmauern gestemmt und das ganze Schloss mit dem Zauberwort „Rutsche fort!“ nach dem jetzigen Platze hinüber geschoben. Nun konnte mit dem Erweiterungsbau begonnen werden.

Die Harburg bei Wernigerode

So lautet die Sage über die Harburg, die einst auf einer 435 m hohen Bergkuppe, etwa 1,4 km südlich der Altstadt von Wernigerode thronte. Historische Überlieferungen und urkundliche Nachrichten über diese Burg fehlen. Nur einige archäologische Grabungen, besonders 1832, brachte etwas Licht in Dunkel der Burggeschichte. Damals wurde die Ringmauer der Burg aufgedeckt und abgebrochen. Der Bergfried von neun Meter Durchmesser, mit 2,1 m dicken Mauern, war noch 1860 vorhanden.

Die aufgefundene Bausubstanz, besonders die Reste einer romanischen Sechseckwandsäule mit Palmettenkapitell sowie aufgefundene rotbraune deutsche Keramikscherben, deuten auf eine romanische Adelsburg des 12.-13. Jahrhunderts hin. Vermutlich war diese Bergkuppe schon Standort einer frühgeschichtlichen Anlage. Erwähnung fand die Harburg nur als Forstort, erstmals 1352. Die kleine Burganlage hatte einen ovalen Burgplatz von etwa 16 x 52m. Anscheinend war die Burg geschlossen von einer Graben-Wall-Anlage sowie einer Ringmauer umgeben.

Heute befindet sich auf dem Burgstall, dem ehemaligen Burgplatz eine Ausflugsgaststätte, die aber leider aufgegeben wurde. Bis 1956 stand auf dem Burggelände auch noch ein Bismarck-Denkmal. Die Bergkuppe der Harburg und Zwölfmorgental lassen sich gut vom Armeleuteberg oder auch von Wernigerode aus erwandern.