Klaus Dumeier´s Lieblingswanderung

Über die Teufelmauer zu den Barocken Schlossgärten in Blankenburg (Harz)

Wir beginnen unsere Wanderung am „Kleinen Schloss“, in welchem das Servicebüro der Harzer Wandernadel und der Blankenburger Tourismusbetrieb zu Hause sind.

HWN Kleines Schloss mit Barockgarten

Von dort gehen wir geradeaus über den Wohnmobilstellplatz „Schnappelberg“ und überqueren die Hasselfelder Straße. Dann wenden wir uns nach rechts und erblicken erstmals die Sandsteinfelsen der Teufelsmauer.

Geologisch entstand der Sandstein des Naturdenkmals Teufelsmauer vor ca. 85 Millionen Jahren als Ablagerung in den Meeren der Oberkreide, als Dinosaurier die Erde bevölkerten. Am Ende der Kreidezeit und im Tertiär wurden diese Schichten durch Hebung des Harzes steil aufgerichtet, so dass entlang des nördlichen Harzrandes eine einmalige Schichtrippenlandschaft entstand.

Wir folgen der vom Harzklub Zweigverein Blankenburg vorbildlich angebrachten Beschilderung und überwinden, auf den in den Fels geschlagenen Sandsteinstufen,  die erste Anhöhe. Vorbei an den Felsformationen der „Großmutter“ wandern wir über felsigen Untergrund weiter bergan.

Schon bald erblicken wir den Großvaterfelsen (317 m), welcher einer der imposantesten und höchsten Felsklippen der Teufelsmauer zwischen Blankenburg und Ballenstedt ist. Der Felsen kann mit einigem Geschick über Felsstufen und Eisentreppen bestiegen werden. Auf dem Gipfel mit der Wetterfahne von 1998 bietet sich ein wunderbarer Blick auf das „Große Schloss“ und die barocken Gärten mit dem „Kleinen Schloss“.  Es wird vermutet, dass der Name „Großvaterfelsen“ schon aus der Zeit der Germanen stammt, welche hier am großen Vater ihrem Gott Wotan gehuldigt haben.

Blankenburg Große Schloss mit Villenviertel

Wir stempeln die HWN 74 „Großvaterfelsen“ in unseren Wanderpass, besteigen den Großvater und wenden uns nach dem Abstieg dem ausgeschilderten „Löbbeckestieg“ zu. Dieser verschlungene Kammweg führt über Klippen, durch schmale Felsspalten, vorbei an absonderlichen Felstürmen und bietet immer wieder beeindruckende Ausblicke auf das Harzvorland, auf Blankenburg und die Harzer Berge.

Zunächst erreichen wir den Löbbeckefelsen, benannt nach dem Blankenburger Bürgermeister  Carl Löbbecke, welcher während seiner Amtszeit(1850 – 1859) diesen Kammweg anlegen ließ. Einige heikle Felspassagen und Aussichtspunkte sind mit Geländern gesichert. Wir genießen es während der Wanderung, auf den zahlreichen Aussichtsklippen zu verweilen, die Ruhe zu genießen und zu spüren, wie die Hektik des Alltags von uns abfällt.

HWN Kammweg Teufelsmauer

Einer der Gesteinsblöcke trägt den Namen „Teufelssessel“ und verfügt über zwei in den Stein geschlagene Sitzplätze, wahrscheinlich für den Teufel und seine Lieblingshexe. Kurze Zeit später entdecken wir die Felsspitze des ca. 16m hohen Teufelsturms und folgen der Beschilderung nach links zur Heidelbergwarte. Dieser bearbeitete Felsen diente im Mittelalter zur Überwachung der darunter liegenden Handelsstraße, welche an dieser Stelle über einen Pass mit dem eigentümlichen Namen „Sautrog“ führte.

Wir begeben uns nach rechts in Richtung „Südhangweg“, um kurz danach links über Treppenstufen, vorbei an der „Siegfriedgrotte“ und dem „Fuchsfelsen“ zum „Sautrog“ abzusteigen. Der Passweg teilt an dieser Stelle die Teufelsmauer und ist gleichzeitig Kreuzungspunkt vieler Wanderwege.

Wir folgen dem Richtungspfeil zum „Hamburger Wappen“ und passieren kurz darauf den mächtigen Felsüberhang „Gewittergrotte“ ehe wir ein paar Meter weiter den „Fuchsbau“ auskundschaften. Dieser durch Notstandsarbeit in 1934 künstlich angelegte Felsenkeller bietet dem Wanderer Schutz vor schlechten Wetter und mit Panoramafenster und Sitzbank sogar etwas Komfort.

Nach ca. 500 m folgen wir scharf rechts einem stark ansteigenden Hohlweg und erreichen den Kammweg zum Hamburger Wappen. Die drei senkrecht aufragenden Felsnadeln erinnern an die drei Türme im Wappen der Hansestadt Hamburg. Anlässlich der 800-Jahr-Feier von Timmenrode wurde eine Tafel mit dem Wappen der Stadt Hamburg an dem Felsmassiv befestigt. Das große felsige Gelände unterhalb der Felsnadeln sowie die als „Kuhstall“ bekannte Felsenhöhle, laden gepaart mit der tollen Aussicht zu einer längeren Pause ein. Dieser großartige Ort hat bereits mehrfach als Kulisse für Filmaufnahmen gedient (Der Medicus, Bibi und Tina) und ist Standort der Stempelstelle 74 der Harzer Wandernadel.hWN Hamburger-Wappen

 

Auf dem Rückweg nach Blankenburg folgen wir zunächst dem Europäischen Fernwanderweg E 11 Nordsee – Harz – Masuren, passieren den „Fahnenfelsen“ und erklimmen den Aussichtspunkt „Hohe Sonne“. Oberhalb der uns vom Hinweg bekannten Wegekreuzung „Sautrog“ überqueren wir den Passweg und begeben uns auf den Südhangweg in Richtung Großvater. Gewaltig und imposant ragen rechts von uns die einzelnen Felsformationen der Teufelsmauer in die Höhe, welche wir auf dem Löbbeckestieg überquert haben.

Wir erreichen den Parkplatz der Gaststätte „Großvater“ und folgen der Fahrstraße 50 m abwärts bis zur nächsten Kreuzung. Von dort führt ein schmaler Pfad hinab zur Hasselfelder Straße. Wir überqueren diese und schreiten durch das Hirschtor, der Beschilderung „Panoramawanderweg – Kloster Michaelstein“ folgend.

Der Weg steigt stetig bergan und führt unterhalb des Dammwildgeheges hinauf zum Schlossteich in die Schlossgärten Blankenburgs. Sie gehören zu den „Gartenträumen – Historische Gärten und Parks in Sachsen-Anhalt“. Mit über 100 Hektar ist das Gartenensemble zwischen Großen und Kleinen Schloss eines der größten und ältesten seiner Art in Sachsen-Anhalt. Der romantische Schlossteich gehörte zum Wasserversorgungssystem der innerstädtischen Mühlen und der Springbrunnen im Fasanen- und Terrassengarten.

Wir folgen dem Weg in Richtung Großes Schloss bis zu einer Fachwerkscheune, an welcher wir rechts vorbeigehen und dann den Weg geradaus in den Stiftungswald hinein. Insgesamt rund 2.150 ha Waldflächen zwischen den Ortschaften Blankenburg, Hüttenrode, Heimburg und Cattenstedt wurden der Stiftung als Nationales Naturerbe übertragen. Die besondere Lage im Regenschatten des Harzes schafft sehr unterschiedliche klimatische Gegebenheiten und bildet die Grundlage für die Existenz verschiedener Lebensräume. Neben den vorrangig bewaldeten Flächen gibt es auch sehr trockene Standorte oder feuchte bis nasse Bereiche mit Bergmähwiesen und Bachtälern.

An der nächsten Kreuzung halten wir uns links und folgen dem ausgeschilderten Rundweg Luisenburg – Lutherberg. Sobald wir die kleine Anhöhe erreicht haben, führt uns der herrliche naturbelassene Waldweg vorbei an Kalktrockenrasen auf felsigen Hängen und bietet uns tolle Aussichten auf die Harzer Wälder. Nach ca. 1 km folgen wir scharf rechts einem Pfad, welcher uns zu dem Aussichtpavillon Luisenburg bringt, an welchem auch die Stempelstelle HWN 77 befestigt ist.

Wir befinden uns jetzt auf dem Calvinusberg (352m), dem höchsten Punkt des bereits 1668 eingefriedeten Tiergartens. In diesem ältesten Teil der Schlossgärten gingen einst die Grafen und Herzöge zur Jagd. Bis heute hat sich der Charakter des Jagdparks kaum verändert. Die Luisenburg wurde 1728 als Aussichtsschlösschen für Herzogin Christine Luise errichtet und nach ihr benannt. Es war ein eingeschossiger Fachwerkbau mit einem achteckigen Saal, umgeben von 8 kleinen Zimmern.

Luisenburg

Wegen Baufälligkeit wurde das Gebäude 1945 abgetragen. Reste der Mauern und Treppen lassen jedoch noch sein Aussehen erahnen.

Wir genießen die herrliche Aussicht, begeben uns danach wieder bergab und folgen rechts der Ausschilderung zum Großen Schloss. Nach Verlassen des Stiftungswaldes, folgen wir der Kopfsteinpflasterstraße, welche durch den Torbogen zur Aussichtsterrasse unterhalb des Großen Schlosses führt.

Das Schloss Blankenburg – das größte noch erhaltene Welfenschloss – ist das Wahrzeichen der Stadt Blankenburg mit einer über 900-jährigen Geschichte. Die heutige Schlossanlage ist hervorgegangen aus mittelalterlichen Burgresten und Bauten der Renaissancezeit. Anfang des 18. Jahrhundert entstand auf dem „Blankenstein“ ein barocker Schlossbau mit europäischer Repräsentationsarchitektur für die damalige welfische Fürstenresidenz Blankenburg. Die Barockarchitektur ist bis heute weitgehend erhalten. Burg und Schloss erlebten eine wechselvolle Geschichte, die sich eng mit dem Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel und den wichtigsten Herrscherhäusern Europas verbindet. Friedliche wie kriegerische Zeiten hinterließen ebenso ihre Spuren wie die wechselnden Herrscher.

Jahrelanger Leerstand der Gebäude nach Abwicklung der dort bis 1991 ansässigen „Fachschule für Binnenhandel“ hat zu erheblichen Schäden im und am Schlossensemble geführt. Seit 2005 ist der Verein Rettung Schloss Blankenburg e. V. bemüht, den Verfall zu stoppen und die Sanierung sowie nachhaltige Nutzung der Schlossanlage herbeizuführen. Führungen finden vom März bis Dezember jeweils am Samstag zwischen 14.00 und 16.00 Uhr statt.

Von der Aussichtsterrasse unterhalb des Großen Schlosses hat man einen exzellenten Blick über das Blankenburger Villenviertel, die ehemaligen großen Industriebetriebe und Teile der Unterstadt.

Wir folgen dem gepflasterten Weg bergab zur „Oberen Mühle“, an welcher sich der Stempelkasten HWN 78 befindet. Sie war die erste Wassermühle in Blankenburg und wurde im Jahr 1453 gebaut. Das sich im Eigentum der Stadt Blankenburg befindende Gebäude wurde 2001 mit großem Aufwand saniert und wird ab dem Frühjahr 2019 wieder gastronomisch bewirtschaftet werden.

Wir gehen rechts von der Obermühle in den Berggarten mit Teehaus und Prinzessinnenturm. Im Bereich der großen Terrasse am Teehaus wurde bereits Mitte des 17. Jahrhunderts ein Küstergarten eingerichtet. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden eine 35 Meter lange Freitreppe und zwei Brunnen angelegt. Bis zum heutigen Erscheinungsbild gab es noch weitere Veränderungen und Erweiterungen. Von der Terrasse vor dem Teehaus genießen wir wieder den schönen Blick auf die Stadt Blankenburg (Harz) und das Harzvorland.

Vorbei an dem als Ferienwohnung ausgebauten Prinzessinnenturm gelangen wir durch eine Tür in der Stadtmauer in den eindrucksvollen Terrassengarten, welcher 1718 angelegt wurde. Zu dieser Zeit wurde die Grafschaft Blankenburg zum Reichsfürstentum ausgebaut. Als Ausdruck höfischer Repräsentanz entstand die kleine Lustgartenanlage mit dem heutigen Kleinen Schloss. Brunnen, Sandsteinfiguren, Vasen, farbenfrohe Blumenrabatten und präzise angelegte Hecken spiegeln bis heute die barocke Grundform wider.

Wir durchstreifen diesen herrlichen Garten, überqueren den Mittelweg des Schlossparks, welcher im oberen Bereich eine 200 Jahre alte Allee von Esskastanien aufweisen kann und gelangen in den Fasanengarten. Dieser wurde bereits um 1700 angelegt und über die Jahrhunderte mehrfach umgestaltet, bis er nach 1945 als Kleingartenanlage genutzt wurde. Seit 2003 ist der Fasanengarten wieder als solcher gestaltet. Im Rahmen eines Projektes wurden die historischen Strukturen wieder sichtbar gemacht und die mythologische Bedeutung der Fasane künstlerisch in Szene gesetzt.

Diese wunderschöne Rundwanderung hat uns über die wilde naturräumliche Ausstattung der Teufelsmauer  in die 300 Jahre alte Gartenkunst der „Barocken Schlossgärten und Parks“ der Stadt Blankenburg (Harz) geführt. Wer diese ca. 10 km lange Tour genießen möchte, sollte genügend Zeit zum Verweilen und Innehalten an den vielen Aussichtspunkten und Glücksplätzen einplanen.

 

Blankenburg, den 26.09.2018